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AppleMusic & Co. – Ich streame also bin ich?

7 Min.

Streamingdienste boomen und sind im Moment hoch im Kurs. Kein wunder, bekommt man doch für eine moderate Monatsgebühr ein Angebot, dass es in sich hat. Apple Music oder Spotify bieten über 30 Millionen Songs und bei Netflix bekommt man eine riesen Auswahl an Filmen und Hollywood-Blockhustern. Aber: Sind diese Gebühren wirklich so moderat und gehört den Streamingdiensten die Zukunft? Hier meine Sicht der Dinge.

Ich testete …

… Netflix

netflix

Als Netflix in Amerika startete, legte ich mir einen US-Account zu um den Dienst anzutesten. Für ca. 8.90 Dollar im Monat hatte ich Zugang zu tausenden Filmen und TV-Serien. Als Serien-Junkie für mich das Paradies. Das Angebot auf Netflix ist reich und sie produzieren ein Paar der besten TV-Shows (House of Cards, Orange is the new Black oder Daredevil) sogar selber. Die Navigation ist simpel und je mehr man sich anschaut, desto gezielter bekommt man Empfehlungen. Bald aber merkte ich, dass ich schlicht keine Zeit hatte, mich durch das ganze Angebot zu arbeiten.

… AppleMusic

AppleMusic   AppleMusic

Bei AppleMusic ist es ungefähr dasselbe: Für eine monatliche Gebühr von CHF 12.90 bekommt man Zugriff auf über 30 Millionen Songs und Videos. Kuratoren empfehle einem Songs und das Radio «Beats 1» bringt bessere Musik als alle Schweizer Radiostationen zusammen. Interessant ist auch das Family-Abo. Hier bekommen 6 Personen Zugriff auf das Angebot für CHF 19.90 im Monat, sofern sie im selben Haushalt leben. Die Darstellung von AppleMusic ist ok in meinen Augen aber noch ein wenig zu optimieren. Mir scheint es zu wild und willkürlich aufgebaut. Persönlich mag ich ein wenig mehr Struktur (dasselbe auch in der neuen iTunes-Version). Mir scheint Apple vorprogrammiert sich immer mehr in dieser Hinsicht.

AppleMusic   AppleMusic

AppleMusic   AppleMusic

Was ich an den Streamingdiensten mag

Der grösste Pluspunkt ist die grosse Auswahl sowie die sofortige Verfügbarkeit. Wenn die erste Staffel Daredevil herausgebracht wird, dann sind alle Folgen sofort und zu jeder Zeit abrufbar ohne lästiges Warten auf den Ausstrahlungstermin oder Verzögerungen, weil ich nicht in Amerika wohnhaft bin. Das System von Netflix merkt sich bei jeder Serie, an welcher Stelle ich stehen geblieben bin und nimmt mir somit ab, mir es selber zu merken.

Auch bei AppleMusic habe ich sofortigen und unbegrenzten Zugriff auf Millionen Songs. Ich kann Album um Album hören, ohne es kaufen zu müssen.

Was ich an den Streamingdiensten nicht mag

Negativ an den Streamingdiensten ist die grosse Auswahl. «Was? Das war doch vorhin noch ein Pluspunkt» werden jetzt einige sicher denken. Lasst mich das kurz näher erläutern:

Ich habe bei Netflix wie auch AppleMusic (oder Spotify) eine Auswahl, die so gross ist, dass ich das alles gar nie konsumieren kann. Auch decken die Angebote so ein breites Spektrum ab, dass mich ehrlicherweise 90% davon gar nicht interessiert. Nun bezahle ich monatlich eine Gebühr für ein Angebot, dass ich zu 90% gar nicht nutzen kann oder besser gesagt will. Das ist die Krux am Mietsystem. Ich miete alles, ob ich will oder nicht. Beim Kaufsystem kaufe ich einmal das, was ich hören oder sehen will und habe ein Leben lang darauf zugriff. Beim Mietmodell verliere ich alles, was ich in meine Playlists gespeichert habe, sobald ich das Abo nicht mehr bezahle.

Die grosse Auswahl ist also ein Plus- wie auch ein Minuspunkt in meinen Augen.

Wem rentierts?

Musikjunkies, die sich ein Album nach dem anderen reinziehen, dürften mit dem Mietmodell besser fahren. Bei dem Single-Abo von AppleMusic gibt man im Jahr CHF 154.80 für Musik aus. Wer also oft Alben kauft, der kann sich überlegen, ob ihm so ein Abo günstiger kommt. Es gilt einfach zu bedenken, dass nach Aboende auch die Musik weg ist, sofern man die Alben nicht nachkauft und nochmals bezahlt, was bei gekauften Alben natürlich nicht der Fall ist.

Menschen, die also ungern Gebühren bezahlen für Leistungen, die sie nie vollumfänglich nutzen können und die im Jahr höchstens 5 bis 10 Alben kaufen, denen sei der Gang zum Plattenhändler oder der iTunes Store empfohlen. Diesen wird Apple (vorerst?) weiterbetreiben.

Fazit

Ob Streamingdienste das Kaufmodell komplett ablösen hängt davon ab, wie die Kunden darauf reagieren. Bezahlt der Kunde gerne mehr, und findet das Ganze reissenden Absatz, so könnte es durchaus sein, dass man Musik und Filme bald nicht mehr kaufen kann. Davon gehe ich jetzt aber nicht aus. Ich denke die Streamingdienste werden eine gute Ergänzung zum Kaufangebot.

Was aber sicher ist: Fernsehen im klassischen Sinn, sprich mit Fernsehstationen und festen Sendezeiten, gehören der Vergangenheit an. Schon heute ist Netflix einer der grössten Produzenten für TV-Inhalte und auch Amazon steigt in das Geschäft ein. Klassische werbefinanzierte Sender werden es schwer haben. Permanente werbefreie Erreichbarkeit ist das Motto. Auch klassische Plattenfirmen werden es schwer haben, kann doch heute jeder seine Musik produzieren und mit etwas Know-how in die digitalen Stores dieser Welt stellen. Mobiler Zugriff auf einen Server, der vorzugsweise nicht von mir selber unterhalten und gewartet werden muss wird wohl schon bald Alltag sein. So gesehen gehört dem Streamen sicher die Zukunft.