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Das Chaos mit den Messengern

6 Min.

Nach der Übernahme von WhatsApp durch Facebook ging ein Aufschrei durch die Leute. Nun seien unsere Daten gar nicht mehr sicher. Der Schrei nach Alternativen wurde laut und durchaus erhört. Doch welche Alternativen gibt es und sind diese auch wirklich sicher? Ich stelle hier die wichtigsten nochmals vor mit ihren Vor- und Nachteilen.

Nur soviel vorweg: Der Aufschrei nach Datenschutz und Privatsphäre kommt reichlich spät. Zu spät kann man sagen. Unsere Daten wurden schon tausendfach abgesogen und kopiert. Datenschutz heute ist reine Augenwischerei. Wer ein Gerät hat, dass am Internet angehängt ist, wurde bereits abgescannt und gespeichert. Der Zug ist abgefahren.

Für diejenigen, die aber trotzdem gerne Alternativen zu WhatsApp haben möchten, um sich wenigstens ein wenig sicherer zu fühlen, hier die wichtigsten Apps. Bedenkt dabei immer: Wenn ihr ein Facebook-Konto habt, braucht ihr euch um Datenschutz eh nicht mehr kümmern.

WhatsApp – Der Platzhirsch
Datenschutz: sehr kritisch
Kosten: 1 Jahr gratis danach CHF 1/Jahr.

www.whatsapp.com

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Immer noch der Platzhirsch unter den Messengern. Offen, wie ein Scheunentor aber durch seine unglaubliche Verbreitung der einzige Messenger im Moment wo man effektiv Kontakte hat, die man anschreiben kann. Zu den Funktionalitäten muss ich nicht viel sagen, die sind ausreichend bekannt. Gruppenchats, Shoutouts, normale Chats usw. Neu soll auch noch Telefonie dazu kommen in Zukunft.

Wer seine Daten und Kontakte bereits an Facebook übertragen hat (Adressbuchsynchronisation) kann getrost bei WhatsApp bleiben. Die Facebook und WhatsApp-Daten werden sicher abgeglichen und zusammengeführt. Ich bezweifle sogar, dass es jetzt noch etwas bringt, WhatsApp zu löschen.

Threema – Das Schweizer Original
Datenschutz: unkritisch
Kosten: CHF 2
https://threema.ch

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Threema ist ein Produkt der Kasper Systems GmbH in Zürich. Die Firma legte von Anfang an den Fokus auf Sicherheit. Sie bieten eine End-zu-End-Verschüsselung und versprechen, dass dadurch nicht einmal sie Zugriff auf die Nachrichten haben. Positiv zu erwähnen ist das Ampelsystem, das angibt, wie genau die Identität des Empfängers verifiziert ist. 2x Orange bedeutet, dass der Empfänger durch eine E-Mail oder SMS-Verifikation bestätigt wurde. 3x Grün erreicht man nur, wenn man gegenseitig den persönlichen QR-Code abscannt. Somit ist sichergestellt, dass wir den Kontakt persönlich kennen.

Negativ ist, dass der Quellcode nicht offen ist und so nicht alle Angaben des Herstellers auch überprüft werden können. Trotzdem gibt die Stiftung Warentest nur Threema ein unkritisch beim Datenschutz.

Bei der iOS-Version wird die Benutzer-ID an den Threema-Server gesendet. Dies sei jedoch unbedenklich, sagt Stiftung Warentest. Bei der Android-Version scheint gar nichts übertragen zu werden. Ein riesen Plus ist die Integration eines Umfragetools, dass es erlaubt, direkt in einer Diskussion eine Umfrage zu starten und auswertungen zu erhalten. Terminfindungen werden so z. B. vereinfacht.

Telegram – Der Russe
Datenschutz: kritisch
Kosten: gratis
https://telegram.org

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Telegram wurde im letzten Jahr von den Brüdern Nikolai und Pawel Durow gestartet. Zuvor hatten die Brüder die Facebook-Konkurrenz und das in Russland am meisten genutzte Social Network vk.com ins Leben gerufen. Dieses datenhungrige Facebook-Äquivalent steht in krassem Gegensatz zu dem vermeintlich sicheren Telegram.

Auch bei Telegram werden die Chats End-zu-End-Verschlüsselt und sollen keine Spuren auf deren Servern hinterlassen. Jedoch muss der Secret Chat vom Nutzer bewusst gestartet werden. Textet man normal hin und her, ist das genau so sicher wie WhatsApp. Auch werden offenbar die Kontaktdaten an den Server von Telegram übermittelt, ohne dass der Benutzer spezifisch darauf hingewiesen wird. Diese Aspekte führen dann auch zu dem kritisch von Stiftung Warentest. Der Quellcode von Telegram ist grösstenteils offen, was eine bessere Transparenz und Kontrolle erlaubt. Ein weiterer Pluspunkt ist die Desktop-Anwendung über die man wie bei iMessege und Viber seine Nachrichten auch vom PC absetzen kann. Diese Möglichkeit vermisse ich bei WhatsApp und Threema doch ein wenig.

Ein weiterer grosser Vorteil ist, dass bei Telegramm die Datenmenge pro Transfer nicht begrenzt wird. Man kann also jede Datengrösse übermitteln. Egal ob Videos, Bilder oder Dokumente.

iO – Die Swisscom
Datenschutz: gem. schweizer Datenschutz
Kosten: gratis
https://io.swisscom.ch

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iO ist der Messenger der Swisscom über den man auch telefonieren kann. Gemäss eigenen Aussagen benutzen schon 500 000 Schweizer die App. Die Nachrichten laufen über Schweizer Server und unterliegen dem Schweizer Datenschutz. Dieser wird aber auch zunehmends gelockert. Wie allenfalls Threema und Telegram hat auch iO einen gröberen Nachteil: Ich habe da praktisch keine Kontakte. Keine Ahnung wie es euch da so geht.

Zu iO habe ich keine genaueren Tests gefunden und kann keine Aussage zu dessen Sicherheit machen.

Meine persönliche Meinung: Datenschutz ist heute eine reine Illusion. Man kann durch entsprechende Apps aber den Schwierigkeitsgrad erhöhen für potenzielle Angreifer. Mit den einzelnen Messengern ein wenig zu spielen macht auf jeden Fall Freude. Wenn auch nicht viel mehr.