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Das Problem mit der Auflösung

6 Min.

Alle die, die aus der Druckindustrie kommen haben klare Vorstellungen davon, wie die Auflösung eines Bildes zu sein hat. Klar: Für einen sauberen Offset-Druck benötigen wir 300 ppi (genau 304,8 ppi), für Zeitung sollten wir schon noch mindestens 200 ppi haben und für Plakate wären 100 ppi schön. Soweit so logisch. Gehen wir mit Bildern aber ins Web (Facebook, Webseiten usw.) oder auf Bildschirme (Screendesign) gilt eine einfache Aussage: «PPI spielen keine Rolle.»

«PPI spielen keine Rolle». Diese Aussage muss man als ehemaligen Druckvorstufe-Profi und jetziger Premedia-Fachperson erstmal verdauen. Sachlich betrachtet, ist es aber tatsächlich so und gerade bei Facebook kann eine zu hohe Auflösung fatal sein. Aber der Reihe nach:

Retina- und HD-Displays brauchen doch Auflösung?

Bei all den hochauflösenden und megascharfen Displays der heutigen Smartphones und Computer-Bildschirmen fragt man sich zu Recht, was für eine Auflösung ein Bild diesbezüglich haben sollte. Versierten Personen aus der Druckindustrie kommen da selbstverständlich sofort PPI (Eingabeauflösung) oder dpi (Ausgabeauflösung) in den Sinn. Tatsächlich geistert dann auch (vor allem in den Agenturen) der Mythos herum, dass eine hohe PPI-Anzahl optimal für solche hoch aufgelösten Displays ist. Da aber Programme für die Bildschirmausgabe (wie z. B. Browser) die PPI völlig ignorieren, spielen sie auch keine Rolle mehr.

Die Materie verstehen

Um die Auflösungs-Thematik zu begreifen, muss man die Materie verstehen. Beim Druck wird eine bestimmte Anzahl an Punkten auf einen Inch abgebildet. Die PPI oder DPI geben also an, wieviele solcher Punkte auf einen Inch fallen. Dementsprechend wird die Auflösung feiner und somit besser (schärfer) je mehr solcher Punkte auf einen Inch (2,54 cm) abgebildet werden. Bei einem Sichtabstand von 30 cm kann das menschliche Auge bei einer Auflösung von 300 ppi keine einzelnen Bildpunkte mehr wahrnehmen.

Ein Monitor stellt aber nicht eine Anzahl an Bildpunkten auf einen Inch dar. Monitore geben einen Bildpunkt als einen Bildpunkt wieder. Pixel bleiben also Pixel unabhängig von der Bildauflösung. Was also bei einem Web- oder Screenbild matchentscheidend ist, ist das Pixelseitenverhältnis.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Aktuelle iPhones lösen mit 326 ppi auf. D. h., dass Apple auf der Strecke eines Inches 326 Pixel darstellt. Demnach reihen sich bei einem Monitor mit 72 ppi auch nur 72 Pixel auf die Strecke eines Inches. Apple bildet also lediglich mehr Pixel auf einen Inch ab, was das Bild schärfer erscheinen lässt.

Entscheidend für die richtige Darstellung sind demnach die Masse der Bilder, also Bildhöhe und -breite (Kantenlänge) in Pixeln. Die Auflösung eines Bildes in ppi (Pixel per Inch) ist nur ein Faktor, der angibt, wie viele Zentimeter das Bild auf einem Blatt Papier einnehmen würde. Das ist fürs Web jedoch nicht relevant, daher kann dieser Faktor vernachlässigt werden.

Hinweis: Layoutet man im InDesign etwas für Web oder digitale Produktionen, so kann man direkt die benötigten Pixelverhältnisse angeben. Exportiert man ein Bild mit 72 ppi wird die Grafik genau diese Seitenverhältnisse haben (da PPI unwichtig sind, entspricht der Export mit 72 ppi einer 1:1-Ausgabe). Exportiert man ein Bild mit einer höheren oder tieferen Auflösung fungiert dieser Wert als Multiplikator bzw. Divisor.

Ein Beispiel:

Ein Layout mit 500 x 500 Pixeln wird seine Seitenverhältnisse nach dem Export mit 72 ppi nicht verändern sprich die 500 x 500 Pixel bleiben bestehen.

Gebe ich das selbe Layout mit 300 ppi aus, habe ich im Endfile ein Seitenverhältnis von 2083 x 2083 Pixeln (ca. 416,6%).

Gebe ich das selbe Layout mit 40 ppi aus, habe ich im Endfile ein Seitenverhältnis von 278 x 278 Pixeln (ca. 55,6%).

Das ewige Leid mit den Facebook-Grafiken

Genau diese Pixel/PPI-Thematik wird manchem Facebook-Nutzer zum Verhängnis und das aus diversen Gründen. Zum einen muss man wissen, dass Facebook eine starke JPEG-Komprimierung hinterlegt hat. Sehr grosse Bilder werden entsprechend stark komprimiert was zu JPEG-Fragmenten führt. Bilder die mit einer Hohen PPI-Anzahl geschrieben wurden haben entsprechend auch mehr Gewicht und werden stärker verrechnet. Anbei ein Beispiel: Erste Grafik mit 72 ppi und zweite Grafik mit Höherer PPI-Anzahl):

FB_72ppi_GUT  FB_150ppi_SCHLECHT

An dem Beispiel sehen wir schön die JPEG-Fragmente vor allem bei der roten Zahl auf der zweiten Grafik. Die erste Grafik ist gestochen scharf.

Will man halbwegs sicher gehen, dass die Bilder nicht zu stark verrechnet werden, sollte man die Grafik mit den von Facebook empfohlenen 720 oder 960 Pixeln und für extrem hoch aufgelöste Bilder 2048 Pixel und als JPEG (Fotos, detailreiche Sujets) oder PNG (Logos, wenig detailreiche, homogene Sujets) erstellen. Dabei bezieht man sich mit Vorteil jeweils auf die längste Seite. Die Höhe ergibt sich. Bei hoch aufgelösten Bildern daran denken beim Upload bei der Optionen «Hohe Auflösung» einen Haken zu setzen.

Da Facebook seinen Komprimierungsvorgang aber andauern ändert, ist es schwierig eine konstant hohe Qualität bei Bildern hinzubekommen.