Digital-KulturMobile

Das E-Post Office: Gut gemeint liebe Post, aber…

5 Min.
Christian Denzler | 24. Juli 2017

Sind wir ehrlich: Analoge Post wird sich irgendwann von selber erledigen. Ausser wenn wir Gegenstände von A nach B bewegen müssen, wird es bald keinen Markt mehr für Briefe und dergleichen geben. Das hat auch die Schweizer Post erkannt und reagiert mit dem E-Post Office darauf.

Lösung ist super, aber…

Der logische Schritt ist, die analoge Post ebenfalls zu digitalisieren. Für einen Digitalfreak wie mich ein kleiner feuchter Traum. Die Lösung der Post ist eigentlich wirklich gut. Leider habe ich trotzdem ein paar grosse «aber».

E-Post-Office nennt sich das Angebot. Es funktioniert im Grunde recht einfach. Die Briefpost wird an ein zentrales Scancenter der Post umgeleitet, dort geöffnet und als PDF zur Verfügung gestellt. Die Inhalte sind dann per Browser oder App abrufbar. Um die Post zu öffnen, muss man der Post eine Vollmacht ausstellen.

Wie richte ich «E-Post Office» ein?

Zugriff bekommt man über ein normales Post-Log-in. Danach kann man unter «Onlinedienste» den Service «Abo mit Scanning» eröffnen. Die Rechnung wird monatlich oder jährlich bezahlt.

In den Einstellungen kann man seine Empfangspräferenzen eingeben. Diese definieren, wie man was in Zukunft bekommen möchte:

Browseransicht des E-Post Office

Damit überhaupt etwas ankommt, muss man in den Einstellungen aber zuerst eine Umleitung von der Postadresse auf den Scanservice der Post machen. Diese Umleitung ist (noch) kostenlos:

Um sich Briefe doch noch physisch zustellen lassen zu können, muss man eine Zustelladresse definieren. Hier offenbart sich einer der grössten «Bugs» des Systems. Da die Heimadresse im System schon bei der Umleitung angegeben wurde, kann man sie nicht nochmals als Zustelladresse eingeben. Man muss ein Postfach, eine andere Adresse oder postlagernd hinterlegen:

Die Zustelladresse wird mit einem Code, den man per Post zugeschickt bekommt, verifiziert.

Der Posteingang des E-Post Office sieht im Browser dann so aus:

oder so in der iPhone-App:

Mobil-Ansicht des E-Post Office

Wie funktioniert das E-Post Office denn nun genau?

Wenn alles korrekt eingerichtet ist, dann wird die physische Briefpost automatisch von der Heimadresse auf das Scancenter der Post umgeleitet. Dort wird erst mal nur der Brief gescannt. Das sieht in der App dann so aus:

Danach kann man entscheiden, wie man den Brief behandeln will. Man kann ihn z. B. «Scannen und vernichten», «vernichten» oder physisch zustellen lassen:

Bei der physischen Zustellung kann man zwischen Expresszustellung (sprich sofort und kostenpflichtig) oder Sammelzustellung (sprich 1x im Monat per B-Post und im Abo inkludiert) wählen.

Wenn der Brief gescannt wird, dann ist er kurze Zeit später als PDF im Posteingang:

Nun kann man ihn nach dem Lesen löschen, auf die Festplatte oder Dropbox downloaden oder in einen separaten Ordner im Archiv verschieben:

Wenn man den Brief physisch zustellen lassen will, dann bezahlt man entweder CHF 5.– für die sofortige Zustellung oder man legt es in die monatliche Sammelsendung, die im Abo mit dabei ist. Diese ist B-Post und wird an die hinterlegte Zustelladresse geschickt.

Rechnungen werden zentral eingesehen und direkt bezahlt, wenn man sein Konto hinterlegt hat:

Was kostet das Ganze und was bekomme ich dafür?

Anbei die Preisliste der Post:

Preismodelle des E-Post Office

Fazit

Die Idee ist wirklich gut. Ich würde meine Post liebend gerne so managen. Leider hat es aber noch ein paar gravierende «Bugs», die es auszumerzen gilt und weswegen ich mein Abo wieder storniert habe:

  1. Ist es viel zu teuer
  2. Die Sendungen auf eine gewisse Anzahl pro Monat zu beschränken ist kundenunfreundlich
  3. Dass man seine Heimadresse nicht als Zustelladresse angeben kann, macht das ganze umständlich
  4. Briefe, die man physisch zustellen lassen will, erreichen einen mit bis zu 5 Tagen Verspätung.

Weitere Informationen findet ihr auf der Seite der Post.