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Eine Lanze für Apple

15 Min.

Seit einer Weile beobachte ich ein witziges Phänomen: Wann immer ein neues Gerät in den Medien vorgestellt wird, sei das von Samsung, Nokia oder Google, geht es nicht lange, bis es unsachlich wird und alle nur noch auf Apple-Bashing aus sind. Meistens geht es dann nicht mehr um das vorgestellte Gerät, sondern nur noch darum wieviel besser es ist als Apple, das jeder ein Idiot ist, der Apple kauft, dass Apple sowieso zugrunde geht usw..

Viele vergessen über ihren unerklärlichen «Apple-Hass» dass ohne den angebissenen Apfel keiner heute in der Form existieren würde, wie er das tut. Kein Samsung, kein Nokia und schon gar kein Google.

Ja Apple hat selten etwas neu erfunden. Ja Apple ist teuer und ja im Moment scheinen die Konkurrenten einiges Innovativer als der Apfelkonzern.


Apples erste Gehversuche

Apple hat den PC erfunden. Diese Aussage darf man getrost machen. Computer gab es schon früher, jedoch waren diese meistens so gross wie ein Haus. Erst durch Apple wurde der Personal Computer salonfähig und hielt Einzug in den Haushalten. Steve Jobs war kein überragender Techniker aber ein gewiefter Geschäftsmann. Für das Technische hatte er Steve Wozniak ein Genie, dem nicht einmal Bill Gates das Wasser reichen kann und der damals Dinge vollbrachte, die er sich heute kaum noch erklären kann(!).

Click. Boom. Amazing! – Steve Jobs


Der neue iMac

Apple hat damals eine Entwicklung in Gang gesetzt, ohne die wir heute keine Computer, keine Smartphones und keine Smart-TVs hätten.

Das Selbe bei den MP3-Playern. Ja es gab sie schon. Schon lange. Apple stieg in einen sicheren Markt ein. Aber kein Player war so intuitiv, so praktisch und so schön wie der iPod und mit iTunes revolutionierte Apple die Art, wie wir Musik konsumieren. Dass heute praktisch alle CD-Verkäufer auch Download-Portale betreiben, haben wir nicht zuletzt Apple zu verdanken.

Mobile Telefone gibt es schon lange. Auch da hat Apple das Rad nicht neu erfunden. Auch waren Touchscreens schon längst bekannt (wenn auch nicht brauchbar). Samsung hatte die Technologie, Microsoft hatte sie auch und ich denke auch bei Nokia war das getouche nicht unbekannt. Was aber all diesen Anbietern fehlte, war Mut. Man hatte angst, mit einem so innovativen Gerät zu floppen. Der Imageschaden wäre gross gewesen. Apple, die ja schon mit ihrer iPod-Touch-Reihe einige Erfahrungswerte sammeln konnten und sich grundsätzlich weniger um Image kümmern mussten wagte 2007 den ersten Schritt. Ganz nach ihrem Motto «Think different» veröffentlichten sie das erste iPhone. Damals war es eine Offenbarung und trat die ganze Lawine an Konkurrenzprodukten los. Ohne den Mut von Apple gäbe es heute kein Galaxy S, kein Nexus, kein Lumia. Es gäbe kein Android, da Google Android ja nur deswegen kaufte, um Apples iOS das Wasser abzugraben.

Mit dem iPad lancierte Apple eine Produktelinie, die es so noch gar nie gab. Ja Microsoft hatte einen kläglichen Versuch unternommen und im Prinzip hatte auch Apple das ganze schon in den 90ern einmal erfolglos versucht. Doch in der Form wie wir Tablets heute kennen und lieben gibt es sie erst seit dem iPad.

Dass Apple-Produkte im Vergleich zu der Konkurrenz meist teurer sind ist richtig. Einen grossen Teil ist aber durch die hochwertigen Materialien (Alu, Glas nicht Plastik), das immer noch ungeschlagene Design (ja weltklasse Designer sind teuer) und die solide Bauweise erklärbar. Qualität hat ihren Preis und egal wie sehr man Apple hasst, dass ihre Geräte qualitativ top sind, kann niemand bestreiten.

We have always been shameless about stealing great ideas. – Steve Jobs

Innovation ist nicht «neu um jeden Preis»
Apple war lange der innovativste IT-Konzern überhaupt. Ihre Innovation besteht selten darin, neue Dinge zu bringen aber sie haben den Mut, die Mittel und den Weitblick um Technologien in unseren Altag zu portieren und sie für uns nutzbar zu machen. Ihre Innovation liegt auch darin, dass jeder die Geräte bedienen kann ohne ein Technik-Geek zu sein. Viele Google-Fanboys oder Windows-Worshipper kritisieren das, doch was bringt mir ein Gerät, wenn ich 50% der Zeit damit verbringe, zu begreiffen wie ich es Bedienen muss? Nichts. Innovativ ist nicht, was schwer zu verstehen ist, sonden was sich in der Bedienung schon fast selbstverständlich anfühlt. Steve Jobs hat das begriffen.

Design is not just what it looks like and feels like. Design is how it works. – Steve Jobs


iPhone 5

Schauen wir den heutigen Smartphone-Markt an, so dürfte das iPhone kaum das beste, schnellste oder innovativste Gerät sein. Manche Geräte bieten technologisch mehr wobei sich die Frage aufdrängt: Wozu? Das UI des iPhones wirkt langsam ein wenig angestaubt und ein WP 8 mit seinem dem momentanen Zeitgeist entsprechenden Kachel-Design total hip. Wobei das natürlich immer eine Momentaufnahme ist. 2007 war das Apple-UI-Design das Mass aller Dinge. Auch ist es so, dass Apple im Moment meistens nur Performance-Updates macht und nicht wirklich neue Dinge in ihre iGeräte packt. Warum auch, solange der Absatz stimmt. So hat man in aller Ruhe Zeit, an den wirklichen Innovationen zu feilen und wenn man merkt, dass der Markt reagiert und die Zahlen zurück gehen, überrennen sie einmal mehr mit Leichtigkeit die Konkurrenz. Auch das geht auf eine Jobs-Philisophie zurück.

Quality is more important than quantity. One home run is much better than two doubles. – Steve Jobs

Oft ist Apple aber auch zu innovativ: Sie haben die Floppy-Diskt 10 Jahre vor allen anderen aus ihren Geräten verbannt und das Selbe passiert nun mit der CD-Rom. Apple hat in beiden Fällen recht, wenn sie von veralteten Technologien sprechen und sie haben auch recht, wenn sie die Zukunft in der Cloud sehen. Leider aber ist der 0815-User noch lange nicht an dem Punkt angekommen. Deshalb werden sie mit ihrer visionären Einstellung viele vor den Kopf stossen.

Apple engt ein
Das geschlossene Ökosystem von Apple (welches übrigens auch Microsoft mit ihrem WP8 bietet) ist häufig Thema und wird oft kritisiert. Apple sei zu restriktiv, vieles was bei Apple kostet sei bei Android gratis usw..

Es ist richtig, dass Apple die Apps kontrolliert und somit weniger Maleware in den Store gelangt. Google lässt grundsätzlich alles zu, was in meinen Augen schlimmer ist. Es ist auch richtig, dass ein Android-Phone Dinge bietet, die ein iPhone nicht kann. Hier stellt sich die Frage: Brauch ich das? Ist das nötig? Fragen, die jeder für sich beantworten muss.

Ich persönlich nutze iGeräte, weil sie einfach, schön (einfach schön) und stabil sind. Sie integrieren sich perfekt und es funktioniert. Es gibt nichts, was ich mit einem iGerät nicht tun kann und das was ich nicht tun kann, brauche ich nicht. Ich denke in dem Bereich kommt es stark auf die persönlichen Präferenzen an.

Down Fall of the Apple?
Dass Apple auf dem absteigenden Ast sein soll, ist grundsätzlich eine Behauptung der Gegner, die sich mit keinen Fakten belegen lässt. Hier ein paar der verbreitetsten «Argumente»:

Apple ist zu wenig innovativ: Das ist eine subjektive Behauptung, denn: was ist Innovation? Ist es innovativ dem Gigantismus zu verfallen und Displays zu verbauen die man bald kaum noch mit zwei Händen bedienen kann oder ist es innovativ zu erkennen, dass so grosse Displays gar nicht nötig sind und ein Gerät perfekt mit einer Hand bedient werden kann?

Viele Nutzer kehren Apple den Rücken und wechseln zu Android: Das ist richtig. Diese Nutzer sind aber keine Apple-Nutzer sondern Trend-Nutzer, die ein iPhone hatten, weil es angesagt war. Nun ist Android «in» also wechselt man zu Android. Die echten Apple-Nutzer, die die wissen was sie an den Produkten haben, die wechseln nicht so schnell.

Android verkauft sich besser als iOS: Ziemlich logisch. Android ist auf Samsung, HTC, LG, Google Phones usw. installiert. iOS genau auf dem iPhone. Dass Android verbreiteter ist, da es auf zig Hersteller verteilt wird, ist ja logisch.

Fakt ist, dass Apple nicht mehr so rasant wächst wie früher und das sie ihr Image wieder verjüngen müssen. Das Ganze ist eine normale Entwicklung im freien Markt (Hype, Höhenflug, Ernüchterung …) und wird sich spätestens beim «Next Big Thing» wiederholen.

Auch hat Apple längst reagiert und ist in internen Umstrukturierungen. Jony Ive (Senior Vice President Design) hat die Aufsicht über das iOS-UI von dem kürzlich gefeuerten Scott Forstall übernommen und mein Gefühl sagt mir, dass sich das UI von Apple im Redesign befindet. Auch dürfte Apple längst «The Next Big Thing» im Köcher haben. Auch da bleibt es spannend.

Warum iOS immer noch attraktiver ist für App-Entwickler
Dass die meisten Apps immer noch zuerst für Apple entwickelt werden hat einen einfachen Grund. Zum einen natürlich die Popularität zum anderen aber sind Apple-Kunden es gewohnt für Qualität zu bezahlen. Das heisst sie sind eher bereit für eine gute App etwas zu bezahlen und dafür ein Premium-Produkt zu erhalten. Auch haben iPhone-User sehr gerne Dinge vor allen anderen. Mit Apple-Kunden lässt sich demnach besser Geld verdienen als mit den «Geiz ist Geil»-Android-Usern, die oft der Meinung sind, dass man alles Gratis bekommen sollte (was im übrigen ein Trugschluss ist, da Google grundsätzlich nichts gratis anbietet). Hier gilt eine einfache Faustregel: Ist etwas gratis, bist du das Produkt. Denkt einmal darüber nach.

Viele Anbieter finanzieren sich über Apple und stellen ihre Apps dann leicht abgespeckt gratis in den Google Play Store. Bevor man als Android-Nutzer also alle Apple-Kunden als Idioten abstempelt, sollte man sich fragen, wer einem all die Gratis-Apps finanziert. Gerngeschen übrigens ;).

Apple watch out!
Selbstverständlich hat auch Apple seine negativen Seiten. Kritisierten sie in den 80ern IBM als Big Brother so sind sie heute an der IBM-Stelle. Apple muss aufpassen, dass sie nicht zu dem Konzern werden, den sie in ihren Anfängen so verachteten (zugegeben momentan sind sie sehr nahe). Auch darf Apple nicht zu arrogant werden, wobei da der Kunde ihnen schon zu spüren gibt, wann es genug ist. Apple ist nicht beratungsresistent auch wenn es manchmal so wirkt. Das geschlossene Apple-Ökosystem hat viele Vorteile, jedoch darf Apple seine Nutzer nicht zu stark bevormunden. Das wird von niemandem goutiert (auch nicht von den sogenannten Apple-Jüngern, die im Übrigen gar nicht so unkritisch sind, wie viele gerne glauben wollen). Verwechselt Treue und Geduld nicht mit Naivität.


Das Apple-Logo im Wandel der Zeit

Abschliessend gibt es nur soviel zu sagen: Apple ist nicht perfekt, Apple hat Fehler gemacht aber Apple ist weit davon entfernt am Ende zu sein. Ohne Apple gäbe es unsere IT-Welt von heute nicht weswegen ein wenig Dankbarkeit angebracht wäre. Trotzdem darf und soll man Kritisch bleiben. Die Meisten merken aber nicht, dass sie sich mit dem Wechsel zu Android nicht aus der «Apple-Religion» gerettet haben, sondern lediglich konvertiert sind. Von einer Abhängigkeit in eine Andere.

Dieser Text ist selbstredend pro Apple aber nicht unkritisch und alles was darin steht ist Fakt. Auch wenn viele ideologisch anders Geblendete das nicht sehen wollen.

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