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Keine Sorge, Apple geht es gut

Apple geht es gut
5 Min.
Christan Denzler | 11. Januar 2019

Es ging ein Raunen durch die Tech- und Finanzwelt als Apple kürzlich bekannt geben musste, dass sie anstatt den vorhergesagten 88 Billionen nur 84 Billionen einnehmen werden. Die Investoren schiebten Panik und die Medien hatten ein neues «Gate». Auch die Apple-Hasser fanden endlich etwas, um sich bestätigt zu fühlen. Schliesslich sagten sie schon immer, der Apfel aus Amerika sei zu teuer und dass es ein Fehler war, die Floppydisc- und CD-ROM-Laufwerke und auch den Headphone Jack aus ihren Geräten zu verbannen. Wer nicht weiss was das ist: Das sind alte Speichermedien und Technologien aus dem letzten Jahrhundert.
Zugegeben, dass Tim Cook seine Investoren Tage zuvor angeschwindelt hat, ist kein feiner Zug und trotzdem, ohne Januarloch wäre das Ganze wohl kaum so aufgebauscht worden. Dass Samsung im gleichen Zeitraum seine Prognose mit 30% weniger Umsatz und 10% weniger Gewinn beziffert hat, scheint dann niemand zu interessieren.

Apples «tiefer» Fall

Apple ist nun vom wertvollsten Techunternehmen mit einer Trillion vermögen auf den vierten Platz hinter Amazon (#1), Google (#2) und Microsoft (#3) gefallen. Mit einem Networth von gut 700 Billionen müssen sie den Gürtel schon enger schnallen.

Wenn der Apfel fällt, stirb der Baum

Ob man es mag oder nicht, Cupertino dominiert den Techmarkt. Auch Google und Samsung müssen sich danach richten, was aus Cupertino kommt. Apple ist der grösste Abnehmer von mobilen Komponenten was direkten Einfluss auf Samsung’s Umsatzzahlen hat. Geht es Apple gut, geht es auch Samsung gut. Google ist ihnen was Onlinedienste angeht zwar Welten voraus, wenn es um Hardware und Design geht, müssen sie sich aber auch am Mainstream, sprich an Cupertino orientieren. Zudem sind die Daten, die Google durch seine iOS Apps sammelt wertvoller als die der Androidgemeinde. Schliesslich sind Applenutzer zahlungsfreudiger und oft liquider was für Werbetreibende pures Gold ist.

Was bedeutet der Umsatzeinbruch von Apple für die Branche?

Apple wird nicht verlumpen aber der Fall ist ein wichtiger Indikator für die Mobilbranche. Der Smartphonemarkt ist gesättigt. Alle, die ein smartes Telefon wollen, haben eines. Dazu kommt, dass die Telefone heute so gut sind, dass niemand Lust darauf hat, jährlich seinen «Daily Driver», sprich das Smartphone, zu wechseln. Sie selber haben mit ihrem Akkuersatzprogrammen dafür gesorgt, dass wir unsere iPhone 6er und 7bener noch länger verwenden. Die Branche reagiert mit allgemeinem Preiserhöhen. Google und Samsung kratzen mit lhren Flaggschiffen an der 1000er-Marke und Apple hat sie fröhlich hinter sich gelassen.

Was bedeutet das alles für den Apfelkonzern?

Der Peak iPhone ist erreicht. Dass sie weiterhin Einheiten wie in der Vergangenheit verkaufen ist illusorisch. Sie werden vermehrt auf Services setzen müssen. Das hat der Techgigant aus Cupertino selber erkannt und erste Schritte eingeleitet. Apple Music ist auf Android längst erhältlich und erst kürzlich haben sie einen Deal mit Amazon abgeschlossen, der den Dienst auch auf den Alexa-Geräten verfügbar macht. Dazu kommt, dass wir dieses Jahr ziemlich sicher einen eigenen Streamingdienst bekommen werden. Samsung und LG haben an der CES in Las Vegas angekündigt, dass ihre neuen Geräte eine Apple Home-Integration bekommen oder zumindest Airplay 2 und 3 unterstützen werden.
Auch im Smarthome-Bereich finden sich langsam mehr Anbieter, die Apple Home unterstützen. Ich könnte mir vorstellen, dass Apple in Zukunft selber Smarthome-Geräte baut.

Darüber hinaus haben sie mit Apple Pay einen Dienst, den auch und vor allem die Banken fürchten. Apples Stärke ist sein Ökosystem und die einfache Vernetzung.

Was lernen wir daraus?

Am Ende war es viel Lärm um nichts. Die Apple Watch Series 4 verkauft sich wie warme Brötchen und Apples Gewinn wurde im dritten Quartal 2018 um gut 38% gesteigert. Lediglich die Finazbranche schiebt Panik, da sie lieber sehen, was eine Firma in Zukunft verdienen könnte und nicht, was sie effektiv verdient. Das ist mitunter ein Grund, warum Amazon immer wieder so hoch eingestuft wird.

Zum NZZ-Artikel

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