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Polyscreeninteractivemediadesigner

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Ich war heute an der Infoveranstaltung der Viscom zum Thema neue BiVo Polygraf. Was hat geändert und was ist neu. Nach wievor sorgt das neue Berufsbild des Interactive Media Designers und die Neuausrichtung des Polygrafen/der Polygrafin unteranderem auf Screen für Verwirrung und rote Köpfe.

Hier ein Aufklärungsversuch.

Polyscreeninteractivemediadesigner

Von vorneherein muss ich etwas anmerken: Es ist noch zu früh, um klar zu definieren, wie der Screenpart beim Polygrafen aussehen soll und es ist auch klar, dass die Anforderungen der Ausbildung immer hinter dem Reallife herhinken werden. Die starren Strukturen der Verbände, Schulen und allen voran der Kantone und des Bundes lassen eine Echtzeitreaktion gar nicht zu.

Die meisten Probleme scheinen die Fachleute in unserer Branche damit zu haben, dass es immer noch sehr schwammig ist, wo die Polygrafin aufhört und der Interactive Media Designer beginnt. Um das ansatzweise zu verstehen, müssen wir uns zuerst vor Augen führen, was die Aufgaben der einzelnen Berufsgruppen sind. Dazu müssen wir uns voll auf die Theorie stützen denn schon in der Praxis ist das Ganze nicht mehr so klar. Ich werde später aber auch auf die Praxis zu sprechen kommen. Versprochen.

Die Polygrafin setzt sich in erster Linie mit Printmedien auseinander. Dabei setzt sie auf die bewährten Instrumente InDesign, Photoshop, Illustrator und Acrobat. Sie erstellt Druck-Erzeugnisse in medienneutraler Form (RGB). Dabei achtet sie sich auf saubere Typografie, bearbeitet die RGB-Bilder, erstellt Illustrationen und Diagramme. Ausgabekanal sind vorwiegend die Printmedien (Coated, Uncoated, Newspaper usw.).

Neu kommt nun Screen dazu. Was bedeutet das für die Polygrafin? Es bedeutet, dass sie einen neuen Ausgabekanal bekommen hat. Hierbei gilt es zu beachten, dass die Publikationen so aufgebaut werden, dass die Typografie auch auf dem Screen funktioniert oder schnell adaptierbar ist. Des Weiteren muss sie die Profilierung beherrschen. Web: sRGB, ein HD-Bildschirm: eciRGB v2 usw.

Der Interactive Media Designer zeichnet verantwortlich für die Konzeption, Planung und Umsetzung von bewegten Medien. Dort gehören auch Audio und Video, 2- und 3-D-Animationen und Webseiten rein. Der Media Designer wird grundsätzlich in der Aufbereitung von Bild und Text ausgebildet jedoch nicht in die Tiefe wie ein Polygraf (so habe ich es jedenfalls verstanden). Der Media Designer gibt ausschliesslich in bewegte Medien aus und nicht in Print.

Soweit die Theorie. Kommen wir zur Praxis.

Um hier einzusteigen, zitiere ich immer wieder gerne Haeme Ulrich: «Print ist nicht tot. Print alleine schon».

Let’s face it: Sogar Google setzt auf Printwerbung. Print ist immer noch das Medium, um schnell ein breites Publikum anzusprechen. Jedoch sind die so angelockten Interessenten schnell wieder weg ohne eine saubere Webseite, Social Media und weiterführende Interaktionen. Wir können also auch nicht mehr nur von Print sprechen. Print ist ein immer noch wichtiger Teil einer Kommunikationsstrategie. Diese geht aber schon längst über reine Druck-Erzeugnisse hinaus.

Die Polygrafin und der Media Designer überschneiden sich also zwangsläufig und ich denke, hier beginnen die Unsicherheiten. Wie weit muss nun eine Polygrafin liquid Layouts beherrschen und muss ein Media Designer sich mit Print auseinandersetzen? Denn wenn die Polygrafin nur JPEGs und PNGs für Web und Bildschirme herstellen muss oder Web-PDFs für einen Blätterkatalog, dann benötigt sie keine Screenausbildung. Das gehört heute zum Basiswissen (oder sollte es zumindest). Das würde dann auch die Entscheidung des Verbandes erklären den Screenteil noch marginal zu behandeln.

Macht der Media Designer die liquid Layouts für z. B. iPad-Magazine so setzt das ein solides Know-how im InDesign und vor allem der DPS voraus. Was hält ihn dann davon ab, die Drucklayouts und Ausgaben auch noch zu machen? Mit ein bisschen Interesse und Weiterbildung ist das machbar.

Eine weitere Frage ist, warum soll die Wirtschaft, die ja vorgängig nicht daran interessiert ist, Arbeitsplätze zu schaffen, zwei Fachleute bezahlen, wo es doch einer auch tut? Diese Fragen dürften im Moment im Raum stehen.

Meines Erachtens ist es noch zu früh, um zu beurteilen, ob sich die beiden Berufsbilder ergänzen oder einer davon abgelöst wird. Im Moment bin ich jedoch vorsichtig pessimistisch, dass der Polygraf vom Media Designer abgelöst werden wird. Die Zukunft wird zeigen, ob ich mich irre oder nicht.