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Stress ist keine Währung

Stress ist keine Währung
2 Min.
Christian Denzler | 5. Februar 2018

Es ist ein Relikt aus der Industrialisierung und doch bringen wir den Gedanken kaum aus dem Kopf. Stress und Überstunden stehen bei vielen Menschen immer noch für Erfolg und Kompetenz. Wir alle kennen es oder besser sie. Die Menschen, die immer «im Seich» sind und meist länger arbeiten müssen. «Keine Zeit. Du weisst, ich habe immer soviel zu tun.» Solch ein Satz führt oft zu heimlicher Achtung: «Oh sie hat immer soviel zu tun. Sie muss unglaublich wichtig und erfolgreich sein.» Solltet ihr das nicht denken: Gratulation. Ihr seid im 21. Jahrhundert angekommen. Überstunden und Stress sind nämlich kein Ausdruck von Erfolg oder Produktivität, sondern davon, dass man sich nicht organisieren kann und bald einen Zusammenbruch hat.

Stress und Überstunden als Auszeichnung

Viele Menschen sehen Stress als eine Auszeichnung. Stress heisst Erfolg und viel Arbeit. Stress bedeutet Anerkennung im Arbeiterrudel. Denn nur Leitwölfe haben Stress und «bolzen» Überstunden. Dieses Gedankengut wird von vielen Firmen den Mitarbeitern eingeimpft. Gerade im Publishing forcieren die Werbeagenturen das «Leben in der Agentur». Sie stellen einen Poolbillard-Tisch und Bier in die Agentur und erwarten noch mehr «Leistung».

Menschen, die so ticken, muss ich an der Stelle leider enttäuschen: Stress ist keine soziale Währung sondern ein psychisches Problem, dass man behandeln muss.

Effizienz durch «Faulheit»

Als Firmeninhaber würde ich lieber faule Menschen einstellen. Damit meine ich nicht arbeitsfaul sonder zu faul um ihre Zeit mit sinnlosen Tasks zu vergeuden. Ich würde Menschen einstellen, die lieber Privatleben haben, als Büroleben. Menschen, die verstehen, dass Arbeiten nicht mehr «9-to-5» bedeutet, sonder dann, wenn es nötig ist.

Diese Menschen finden Lösungen um repetitive Arbeiten zu automatisieren und organisieren sich ihre Arbeit so, dass sie eben keine oder kaum Überstunden benötigen, um ihre Arbeit zu erledigen. Im 21. Jahrhundert ist das Industriedenken in vielen Branchen definitiv out. Digital-Kultur bedeutet auch, dass man das endlich begreift.


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