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Wahlwerbung unter der Lupe

7 Min.

Am 21. Oktober sind die Grossratswahlen im Kanton Aargau. Wir alle dürften die Unterlagen längst zuhause haben und einige von uns haben sicher schon gewählt. Eine knappe Woche vor dem Wahltag nehme ich mir Zeit, die Wahlwerbung der Bezirksparteien (Baden) unter die Lupe zu nehmen. So Objektiv wie möglich immer aber mit der persönlichen Note des Autors.

Liste 1 – SVP

Die SVP gibt sich gerne als eine bodenständige volksnahe Partei. Die Wahlbeilage wirkt solide, wenn auch die gelb unterstrichenen Namen etwas sehr altbacken wirken. Der rote «Schweif» mit dem Schweizerkreuz erinnert eher an das Heck einer Airline als an eine politische Partei. Die Schrift ist modern, wenn auch die DIN nicht gerade neu ist. Aber sie funktioniert. Von der Satzart wurde der Flattersatz gewählt, was typografisch eine Abwechslung zum Standard-Blocksatz gewesen wäre, würde er denn sauber gepflegt. Leider aber macht (oder kann) das heute fast niemand mehr. Das Titelbild wirkt unorganisiert und unruhig (was zum momentanen SVP-Status passt). Die Bilder sind nicht einheitlich und bieten vom Gelb- bis zum Rotstich alles.

Inhaltlich stützt sich die SVP auf ihre «Kernkompetenz»: Ausländer und EU bietet aber nichts Neues.

Liste 2 – SP

Die SP gibt sich schlicht und aufgeräumt in Rot/Grau. Die SP Replica Bold als Titelschrift und die Nimbus Sans Novus Regular als Grundschrift sind makellose Schriften und fügen sich gut ins Layout. Die Schlichtheit der Gestaltung findet bei gewissen Leuten anklang, wird aber auch von vielen als langweilig angesehen. Die SP wählte den Blocksatz, es wurde leider aber zu wenig darauf geachtet, dass es keine Löcher in den Sätzen hat. Bei den Bildern fällt auf, dass die Freisteller der Porträts mehr als lausig gemacht wurden. Die besten Freisteller sehen aus wie Scherenschnitte, während der Rest einen «Heiligenschein» verpasst bekommen hat.

Inhaltlich fokussiert auch die SP auf ihre Kernthemen: Gerechtigkeit für alle und Chancengleichheit.

Liste 3 – CVP

Die CVP versucht sich in einem modernen Layout, was zur Folge hat, dass man die Partei nicht zuordnen kann, wäre nicht das Logo auf der Werbung. Die Schriftwahl ist passabel und die Fotos sind ok.

Inhaltlich halten sie sich (bewusst) kurz haben aber nur noch ein ursprüngliches CVP-Thema mit an Bord: Familie. Umwelt und Migration bringen sie, da Umweltbewusstsein heute vom Stimmvolk vorausgesetzt wird und die Migration der SVP stimmen en masse brachte.

Liste 4 – FDP.Die Liberalen

Keine Partei drückt ihr Wesen so gut durch ihren Auftritt aus, wie die FDP.Die Liberalen. Die Wahlbeilage präsentiert sich in Blau/Rot und als eine relativ grosse Bleiwüste. Die Schrift wirkt sauber aber unspektakulär und bürokratisch. Man wird mit Text zugeklatscht und wären im Inhalt nicht die Kandidaten mit Fotos, gäbe es keine Auflockerung. Die Fotos bieten ebenfalls eine breite Auswahl an Farbstichen. Modern wie sie aber sein wollen, bieten sie einen QR-Code zu weiterführenden Informationen.

Inhaltlich bleiben sie bei ihren Kernthemen: Finanzen und der SVP nachlaufen.

Liste 5 – Die Grünen

Seit den Nationalratswahlen 2012 versuchen die Grünen auf modern zu machen. Ihr Konzept von «Ein Paket voll guter Lösungen» erkennt man, wenn einem das Ganze erklärt wird. Mein erster Gedanke war: Warum haben die Grünen ein Zigarettenpäckli auf ihrer Wahlwerbung? Sind sie nicht gegen Umweltverschmutzung? Heute weiss ich, dass es ein Paket sein soll. Immerhin wird das Layout konsequent durchgezogen. Die Bilder sind schlecht, viel zu dunkel und nicht sauber eingestellt.

Inhaltlich sind die Grünen konsequent und setzen auf alles, wofür sie stehen.

Liste 6 – EVP

Die EVP hat ein modernes 0815-Layout und kommt daher wie die Partei selber: ungefährlich und unscheinbar. Die Bilder sind ok haben aber ebenfalls keinen Pepp.

Inhaltlich visualisieren sie mit einer Art Organigramm, das sie sich in ihrer Orientierung nicht festlegen können. Mal links, mal rechts. Ähnlich wie die CVP.

Liste 7 – GLP

Die GLP hat ein straightes Layout und versucht zu vermitteln, dass sich Grün und Wirtschaft nicht ausschliessen. Inhaltlich verquicken sie auch gekonnt diese beiden Themen, jedoch hauptsächlich um zu vertuschen, dass sie im Grunde näher einer FDP sind als den Grünen. Die Bilder sind gut wenn auch nicht aussergewöhnlich.

Liste 8 – BDP

Das Layout der BDP ist eine Mischung aus verspielt und langweilig. Dass sie Schlagschatten hinter fast allen Elementen haben, sorgt dafür, dass das ganze unprofessionell wirkt. Die Bilder sind nicht schlecht aber haben leider keinen einheitlichen Hintergrund.

Inhaltlich scheinen sie ihren Weg noch nicht gefunden zuhaben, da sie irgendwie immer dazwischen stehen.

Liste 9 – EDU UDF

Die EDU wirkt auf ihrer Werbung wie eine Krankenkassenreklame oder eine Versicherung. Der Inhalt wirkt enorm leer, was wohl an den nur vier Kandidaten liegt. Die Bilder sind schlecht und auch sonnst wirkt das Layout nicht besonders.

Liste 10 – SD

Der Flyer der SD wirkt, wie im Word erstellt und ist wie die Partei selber recht unbedeutend. Es macht den Anschein, als ob man einfach etwas gemacht hat, weil man ja fast musste.

Liste 11 – ???
Habe ich bei meinen Unterlagen nicht gefunden.

Liste 12 – SLB

Die SLB arbeitet auf dem Titelbild immer noch mit einem Bild aus einer Fotodatenbank (mangel an Mitgliedern?). Hoffen wir, dass die Kandidaten wenigstens echt sind. Schaut man sich aber die schlechten Fotos an, kann man davon ausgehen. Das Layout wirkt gezwungen flippig und mit QR-Code sind sie voll modern.

Inhaltlich bedienen sie alles was die Grünen und die SP schon besser machen und haben sich auch noch ein wenig was von der SVP/CVP abgeguckt. Am besten hat mir noch der Slogan gefallen: Nicht links, nicht rechts – sondern vorwärts!

Fazit
Wie bei der Politik gibt es auch bei den Wahlbeilagen enorme qualitative Unterschiede. Einen gemeinsamen Nenner haben alle Parteien aber: Die Bilder haben enormes Verbesserungspotenzial.